Liquidität in der Corona-Krise

Wie gehen Sie vor?

Die IBB hat nach den ersten Erfahrungen eine FAQ-Liste mit den wichtigsten auftretenden Fragen zusammen gestellt: IBB FAQ Corona-Hilfen

1. Unterlagen vorbereiten – diese Unterlagen brauchen alle Banken:
– Jahresabschluss 2017 und 2018
– Betriebswirtschaftliche Auswertung und Summen- und Saldenlisten 2019
– Liquiditätsplan, aufgebaut wie Betriebswirtschaftliche Auswertung
– Darstellung bereits initiierter Maßnahmen zur Kostenreduktion (Kurzarbeit, Steuerstundung, etc.)
– kurze Beschreibung, warum und wie das Unternehmen von Corona betroffen ist
– Eigenbeitrag der Gesellschafter (z.B. Darlehensgewährung, Bürgschaften, Sicherheiten)

Die IBB braucht außerdem:
– Aktueller Handelsregisterauszug
– ggf. Gewerbeanmeldung
– Erklärung Politisch exponierte Person (PEP)
KMU-Selbsterklärung für nicht verflochtene / eigenständige Unternehmen oder KMU-Selbsterklärung für verflochtene Unternehmen (Welches Dokument Sie brauchen, erklärt das KMU-Merkblatt.)
Unterschriftsprobenblatt
(Quelle dieser Downloads ist die IBB, hier als Service von INTOURA bereit gestellt.)

2. Darlehen zur Liquiditätserhaltung – 3 Möglichkeiten
a) Hausbank:
Ein Ansprechpartner ist Ihre Hausbank, viele davon sind in die Gespräche des Senats eingebunden. Über die Hausbank können Sie auch die Bundeshilfen der KfW beantragen. Mehr dazu unter:
Website der KfW

b) Bürgschaftsbank:
Die Bürgschaftsbank verdoppelt den Bürgschaftshöchstbetrag auf 2,5 Millionen Euro.  Im Rahmen des Bürgschaftsexpressprogramms kann die Bürgschaftsbank Entscheidungen über Bürgschaften ab sofort bis zu einem Betrag von 250.000 Euro eigenständig und innerhalb von 3 Tagen treffen. Auch bei Betriebsmittelkrediten kann ein erhöhter Bürgschaftsrahmen von 80% ausgeschöpft werden.
Website der Bürgschaftsbank

c) IBB-Liquiditätshilfe Sonderfall Corona
Die Investitionsbank Berlin (IBB) erteilt ab 19.03.20 zinslose Darlehen bis zu 500.000 € für 6 Monate. Ab morgen kann das Darlehen direkt auf der Website der IBB beantragt werden:
zum Förderprogramm der IBB Liquiditätshilfen BERLIN

3. Kurzarbeit beantragen
Geschlossene Betriebe können ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Die Beschäftigen erhalten dann Kurzarbeitergeld. Die Bedingungen sind mittlerweile rückwirkend zum 01.03.20 Verbesser worden.
Im Mitgliederbereich finden Sie als Vorlage einen „Nachtrag Kurzarbeit zum Arbeitsvertrag“ und unseren Leitfaden zur Beantragung von Kurzarbeit!
Zum INTOURA Mitgliederbereich

4. Steuerstundung verhandeln
Die Finanzämter senken Steuervorauszahlungen auf Antrag unbürokratisch ab. Darüber hinaus haben Unternehmen die Möglichkeit der Stundung von aktuell offenen Steuerforderungen. Auch diese werden in der derzeitigen Situation unbürokratisch abgewickelt. Stundungen können zinslos erfolgen. INTOURA drängt auf Rückzahlungen bereits überwiesener Steuern.

Weiterführende Links

Investitionsbank Berlin:
Hotline Wirtschaftsförderung 030 – 2125 – 4747
E-Mail wirtschaft@ibb.de
Website IBB – Liquiditätshilfen Berlin

Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe:
Pressemitteilung vom 17.03.2020: Schutzschirm für die Berliner Wirtschaft und Arbeitsplätze

IHK Berlin:
Beratungsteam der IHK 030 – 31510 – 919 (8.00 bis 17.00 Uhr)
E-Mail corona@berlin.ihk.de
Website IHK – Informationen Corona-Virus

visitBerlin:
Hotline 030 – 164748 – 886 (9.00 bis 18.00 Uhr)
Website visitBerlin – Unterstützung für Berliner Unternehmen

Helfen.Berlin:
Die Gutschein-Plattform zur Unterstützung der Berliner Attraktionen & Gastronomie.
Interessierte Unternehmen können sich hier registrieren Helfen.Berlin – Registrierung
oder eine Email senden bitte@helfen.berlin?
Generelle Informationen auf der Website Helfen.Berlin

Corona-Updates

Zur Überbrückung von Liquiditätslücken gibt es drei Möglichkeiten. Wir haben Ihnen einen Leitfaden zusammen gestellt. 
Anträge können seit Donnerstag, 19.03.2020 bei der IBB gestellt werden. 

Zum Leitfaden: Liquiditätshilfen – Wie gehen Sie vor!

INTOURA-„Corona-Infotelefon“ +491787943333 – Montag bis Freitag 11.00 – 16.00 Uhr

+++ 02.04.2020 +++

Aktuelles zum Thema:

Dauer der Schließung
Der Regierende Bürgermeister hat heute angekündigt, dass die Kontaktsperre bis zum 19. April verlängert wird. Die Museen in Amsterdam sind bereits jetzt bis 1. Juni geschlossen.
Wir hoffen sehr, dass wir falsch liegen, aber rechnen Sie in Ihren Programm- und Liquiditätsplanungen nicht mit einer Wiedereröffnung Ihrer Attraktionen am 20. April!

Gutschein statt Erstattung
Das Bundeskabinett hat heute beschlossen, dass zukünftig Veranstalter übergangsweise Erstattungen in Form von Gutscheinen statt Rückzahlung vornehmen können. Das Gesetz dazu muss noch formuliert und mit der EU abgestimmt werden. Wir gehen im Moment davon aus, dass die Regelung für alle Eintrittskarten und Theatertickets gelten wird.
Wenn Sie in Liquiditätsnöten sind, warten Sie also vor weiteren Erstattungen auf die endgültige Gesetzesregelung.

Steuervorauszahlung zurückholen
Neben der Senkung der zukünftigen Steuervorauszahlung können Sie beim Finanzamt auch die Rückzahlung der im Februar und März vorausgezahlten Gewerbe- und Körperschaftssteuer beantragen. Wenn Sie nachvollziehbar begründen können, dass Sie in diesem Jahr auf Grund der Krise keine Gewinne mehr erwarten, werden Ihnen die vorausgezahlten Beträge zurückerstattet.

IBB Soforthilfe
Die Investitionsbank Berlin hat aktuell sowohl die Soforthilfe I (Darlehen) gestoppt, als auch bis 6. April die Soforthilfe II (Zuschüsse für Kleinstunternehmen). Die Zuschüsse des Bundes sollen ab 6. April wieder beantragt werden können, das sind:
– für Selbstständige und Unternehmen bis 5 Beschäftigte bis zu 9.000 EUR
– für Unternehmen bis 10 Beschäftigte bis zu 15.000 EUR
Größere Unternehmen können aktuell nur über ihre Hausbank KfW-Darlehen beantragen.
Sollten Ihre Anträge abgelehnt werden, informieren Sie uns bitte am Infotelefon 01787943333 oder per E-Mail

+++ 31.03.2020 +++

Aktuelles zum Thema:

Liquiditätslücken überbrücken
Seit Samstag ist die Soforthilfe I des Landes Berlin, die zinslosen Darlehen der IBB, gestoppt. Trotz großer Versprechen sieht es nach der heutigen Senatspressekonferenz nicht so aus, als ob das Programm noch einmal aufgelegt wird. Warten Sie daher nicht ab, wenn Sie in absehbarer Zeit in Liquiditätsengpässe kommen, sondern beantragen Sie über die anderen, unten genannten, Wege jetzt Nothilfen!
Wenn Sie keine Zusagen erhalten, informieren Sie uns bitte per E-Mail oder am Notfalltelefon unter 01787943333, damit wir Ihren Fall mit der Politik diskutieren können.

Es gibt aktuell folgende Möglichkeiten zur Sicherung Ihrer Liquidität:
– IBB-Soforthilfe I: Zuschüsse für Kleinstunternehmen bis 10 Mitarbeitern (siehe FAQ-Liste der IBB)
– KfW-Darlehen, 90% vom Bund besichert, 1% Zinsen, Beantragung über Ihre Hausbank
– Darlehen über Bürgschaftsbank: >> zum Finanzierungsportal

IBB FAQ-Liste zum Download
Die Investitionsbank Berlin hat nach den ersten Erfahrungen eine FAQ-Liste mit den wichtigsten auftretenden Fragen bei der Antragsstellung der Soforthilfen zusammen gestellt. Die Hotlines sind sehr gefragt dieser Tage und so können einige grundlegende und wiederkehrende Fragen im Vorgriff beantwortet werden: IBB FAQ Corona-Hilfen

Kostenfreie Prüfung: Versicherungsschutz in der Corona-Krise
Unser Fördermitglied Bereuter & Cie. bietet allen INTOURA-Mitgliedern die kostenfreie Prüfung Ihrer bestehenden Versicherungspolicen an. Ist z.B. eine Betriebsschließungsversicherung mit in der Police enthalten, greift hier der Versicherungsschutz. Sie erhalten ein schnelles Feedback. Danach kann gehandelt werden. Auf Wunsch übernimmt die Bereuter & Cie. GmbH auch die Schadensmeldung und Anspruchsstellung.
Wenn Sie diesen Service nutzen möchten, senden Sie bitte Ihre aktuelle Unternehmenspolice nebst den gültigen Versicherungsbedingungen per Email an Herrn Georg Bereuter unter dem Stichwort „INTOURA“.

+++ 26.03.2020 +++

Aktuelles zum Thema:

Start-Ups
Staatssekretär Rickerts hat INTOURA heute mitgeteilt, dass die Drei-Jahres-Grenze der IBB-Darlehen gestrichen ist, wie von uns seit den ersten Gesprächen gefordert wurde. Alle Unternehmen mit unter 250 Mitarbeitern können also Anträge auf die zinslosen Darlehen stellen.

Arbeitnehmerüberlassung und Zuverdienst
Während unsere Mitarbeiter auf Grund der Schließung keine Beschäftigung haben, gibt es Branchen mit akuten Personalsorgen – wie den Lebensmittelhandel oder die Landwirtschaft.

Die Bundesregierung hat hierzu beschlossen:
– Mitarbeiter in Kurzarbeit können bis zur Höhe ihres normalen Nettogehalts bei anderen Unternehmen hinzuverdienen, ohne dass die Einnahmen auf das Kurzarbeitergeld angerechnet werden.
– Ausnahmsweise können auch ohne Erlaubnis Arbeitnehmer ausgeliehen werden. Das ist zum Beispiel für Mitarbeiter sinnvoll, die kein Kurzarbeitergeld bekommen wie studentische Mitarbeiter.

Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter zum Zuverdienst oder organisieren Sie die Arbeitnehmerüberlassung zum Beispiel mit dem Lebensmittel-Einzelhandel.
>> zum Aufruf des Handelsverband Berlin-Brandenburg

+++ 25.03.2020 +++

Aktuelles zum Thema:

Soforthilfepaket II
Am Freitag, dem 27. März 2020 wird das Land Berlin eine weitere Hilfe für Unternehmen unserer und anderer betroffener Branchen umsetzen: Um 12 Uhr können die Anträge für das Zuschussprogramm für Kleinst- und Solounternehmen bis zu maximal fünf Beschäftigten gestellt werden. Dazu müssen keine Unterlagen eingereicht oder hochgeladen werden. Stattdessen genügen Angaben zur Firma (Name, Straße, PLZ, Rechtsform), die letzten fünf Ziffern des Ausweisdokuments (Personalausweis und Reisepass), die Steuernummer und die IBAN der Bankverbindung des Unternehmens.
>> zur Website der IBB

+++ 24.03.2020 +++

Aktuelles zum Thema:

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen
Auf Antrag können Sozialversicherungsbeiträge gestundet werden. Turnusgemäß sind die Beiträge für Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung an diesem Freitag fällig. Eingezogen werden sie von der gesetzlichen Krankenversicherung. Um die Abbuchung per Lastschrift zu stoppen, müssen Sie schnellstmöglich um Stundung mit Verweis auf Liquiditätsengpässe wegen der Corona-Krise bitten. Dies geht formlos per E-Mail an die Krankenversicherungen, bei denen Ihre Mitarbeiter beschäftigt sind.
>> zur Agenturmeldung GKV-Spitzenverband

Wann haben wir die Krise überstanden
Um Ihre Unternehmen durch die Krise zu steuern, müssen Sie einschätzen können, wie diese verläuft. Zu Ihrer Unterstützung wollen wir gemeinsam mit Ihnen in die Zukunft blicken. Dafür haben wir eine Umfrage eingerichtet und bitten Sie, diese einmal pro Woche auszufüllen. Die Durchschnittsdaten teilen wir Ihnen schnellstmöglich mit.
>> zur INTOURA-Umfrage

+++ 20.03.2020 +++

Aktuelles zum Thema:

INTOURA Info-Telefon
Ab sofort ist montags bis freitags von 11 bis 16 Uhr unser Corona-Infotelefon unter +491787943333 besetzt.
Wir schulen unsere Geschäftsstelle zum Thema Kurzarbeitergeld, IBB-Kreditantrag u.ä., um Hilfe mit touristischem Background anzubieten und die anderen Hotlines zu entlasten. Juristische Fragen und andere Probleme, die wir nicht direkt beantworten können, geben wir weiter und klären sie mit Fachleuten auf Kosten von INTOURA innerhalb von 48 Stunden.

Soforthilfe 2 für Kleinstunternehmen
Der Senat hat am 19.03.2020 beschlossen, dass Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen bis fünf Mitarbeitern ab nächster Woche nicht-rückzahlbare Hilfen in Höhe von 5.000 € beantragen können. Sobald das Antragsverfahren freigeschaltet ist, informieren wir. Bis dahin bitte noch keine Anträge stellen!

GEMA
GEMA-Verträge ruhen für den Zeitraum, in dem Sie Ihren Betrieb aufgrund behördlicher Anordnungen zur Eindämmung der Pandemie-Ausbreitung schließen müssen. Das gilt für alle Monats-, Quartals- und Jahresverträge. Es entfallen während dieses Zeitraums die GEMA-Vergütungen.

Liquiditätshilfen
Der Antragsservice der IBB ist zeitweise überlastet. Auf der INTOURA-Website haben wir daher alle Unterlagen aufgelistet und verlinkt, die für die Antragsstellung vorbereitet werden müssen:
Liquidität in der Corona-Krise

Stundung aller Steuerarten: Die Berliner Finanzverwaltung hat mitgeteilt, dass im begründeten Fall alle Steuerarten gestundet werden können, also auch die Umsatz- und die Lohnsteuer. Sprechen Sie mit oder schreiben Sie Ihrem Finanzamt! Verspätungszuschläge fallen nicht an.

+++ 18.03.2020 +++

Aktuelles aus unseren Gesprächen mit der Politik:

Entschädigungen
Der Finanzsenator möchte keine Entschädigungen für durch die Verordnung geschlossenen Betriebe zahlen. INTOURA ist der Meinung, dass der Staat hier für seine Schließungsverfügung in der Schuld steht und hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft hingewiesen, dass unsere Branche fürs Überleben auf Entschädigungen angewiesen ist. Nur mit Darlehen werden sich viele Unternehmen nicht retten können. Auch die IHK fordert Zuwendungen an die Unternehmen, zum Beispiel aus dem Siwana-Topf. Wir bleiben dran!

Steuern
Vorauszahlungen werden auf Antrag unbürokratisch abgesenkt, nicht bezahlte Steuern lassen sich unproblematisch stunden. Wir haben dazu aufgefordert, bereits gezahlte Steuern zurückzuerstatten, damit nicht pünktliche Zahler besser gestellt werden als säumige Zahler.

Kurzarbeitergeld
Nach unseren Erfahrungen ist die Arbeitsagentur Mitte bereits sehr belastet: Wir drängen darauf, dass Anträge schnellstens bearbeitet werden und die Lohnsteuer auch erst nach Auszahlung des Kurzarbeitergeldes fällig wird. Für die Mitarbeiter fordern wir eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes.

Das Bundesjustizministerium bereitet eine Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis 30.09.2020 vor, was Unternehmen in Schwierigkeiten etwas mehr Zeit verschaffen soll.

+++ 15.03.2020 +++

Die gestrige Verordnung hat für die Attraktionen zumindest Klarheit gebracht. Für Sightseeing- und Touren-Anbieter fehlt die Klarheit noch. INTOURA hat heute die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe um verbindliche Klarstellung gebeten. Gleichzeitig stehen die geschlossenen Betriebe nun vor dem Aus, wenn es nicht schnelle Hilfe der Politik gibt. INTOURA hat auf einen weiteren Round Table Coronavirus mit unserer Teilnahme nächste Woche gedrängt. Gleichzeitig hat nach aktuellem Stand unser Vorsitzender Robert Rückel am Mittwoch einen Termin mit Staatssekretär Rickerts.

INTOURA fordert folgende Soforthilfen für unsere Branche:

  • schnelle Auszahlung des Kurzarbeitergeldes (Anleitung zum Kurzarbeitergeld im Mitgliederbereich der Website)
  • schnelle Genehmigung und Auszahlung von Darlehen aus dem Liquiditätsfonds (Veröffentlichung der Wege soll am Mittwoch erfolgen)
  • Klärung und schnelle Auszahlung der Entschädigungen gem. IfSG oder ASOG
  • Sofortige Rückzahlung der bereits getätigten Steuervorauszahlungen 2020 (da keine Gewinne im Jahr 2020 mehr erwartet werden können)
  • Antragslose Aussetzung der Steuervorauszahlungen für die Branche
  • Sofortige Rückzahlung der Körperschafts- und Gewerbesteuern für 2019 (da Verspätungszuschläge bis Ende 2020 ausgesetzt sind, werden sonst die Unternehmen bestraft, die pünktlich bezahlt und daher jetzt Liquiditätsprobleme haben)
  • Stundung Lohnsteuer und Sozialversicherungen für die März-Löhne

Sobald wir Feedback über Hilfen bekommen, melden wir uns wieder. Wer bereits in den nächsten 14 Tagen ohne finanzielle Hilfen nicht überleben kann, meldet sich bitte direkt bei uns!

+++ 14.03.2020 +++

Der Berliner Senat hat heute beschlossen, dass in Berlin ab sofort alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen ab 50 Teilnehmern untersagt sind. Kneipen, Clubs, Spielhallen, Spielbanken, Messen, Wettannahmestellen und ähnliche Unternehmen dürfen nicht mehr für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Dasselbe gilt für Kinos, Theater, Konzerthäuser, Museen, Ausstellungen und ähnliche Einrichtungen und Vergnügungsstätten, ebenso für Prostitutionsstätten.

Vollständige Mitteilung: https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/pressemitteilung.906892.php

+++ 12.03.2020 +++

Die Nachrichten haben sich heute überschlagen: Ab morgen sind die kommunalen Kultureinrichtungen geschlossen.

Auch viele der INTOURA-Vorstände wurden heute gefragt, ob wir unsere Häuser schließen. Unsere Antwort war, dass wir nur auf behördliche Anordnung schließen können, weil wir – anders als die staatlichen Kultureinrichtungen – für das Überleben unserer Einrichtungen auf die Besucher angewiesen sind. Wir tragen die Verantwortung für unsere Mitarbeiter. Wenn wir – nach der oft besucherschwachen Wintersaison – für fünf Monate den Betrieb einstellten, werden das die meisten von uns nicht überleben. Sollte ein Stopp des gesellschaftlichen Lebens aus Seuchenschutzgründen notwendig sein, müssen die Gesundheitsämter dies anordnen und finanzielle Hilfe anbieten. Das muss nach unserem Verständnis dann aber genauso für Restaurants, Geschäfte und Kneipen gelten.

+++ 11.03.2020 +++

Auf Einladung des Vorstands der IBB hat unser Vorsitzender Robert Rückel unsere Branche heute am Runden Tisch zum Thema Liquidität vertreten. Senatsverwaltung für Wirtschaft und IBB arbeiten mit Hochdruck an einer Öffnung des Liquiditätsfonds für unsere Branche und an einer Vereinfachung der Antragstellung für Übergangskredite mit einer Laufzeit von sechs Monaten. Beantragung wird über die Hausbanken stattfinden. Die Details und eine gemeinschaftliche Linie der Hausbanken werden nun ausgearbeitet, der Plan ist, das Instrument ab 18.03.20 zur Verfügung zu stellen. Wir werden dazu informieren – sollte jemand vorab Bedarf haben und bei der Hausbank nicht weiterkommen, bitte melden.

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Neujahrsansprache des INTOURA-Vorsitzenden Robert Rückel

Neujahrsansprache des Vorsitzenden Robert Rückel am 17. Februar 2020 auf dem INTOURA-Neujahrsempfang im Wintergarten Varieté

Liebe Mitglieder, sehr geehrte Abgeordnete des Abgeordnetenhauses von Berlin, liebe Freunde und Partner,

zum ersten Mal seit fünf Jahren steht an dieser Stelle nicht Hendrik Frobel. Hendrik hat vor zwei Wochen sein Amt als Vorsitzender an mich übergeben. Vielen Dank dir Hendrik für deinen unermüdlichen Einsatz in den letzten Jahren. Es ist großartig, was seit Deinem Amtsantritt aus INTOURA geworden ist und wo dieser Verband heute steht. Ich trete in große Fußstapfen.

Glücklicherweise bin ich dabei nicht allein, sondern mit mir wurde der gesamte Vorstand neu gewählt und verstärkt.

Wiedergewählt wurden:
Stellvertretender Vorsitzender: Freiherr Gordon von Godin (DDR Museum)
Kassenwart: Daniel Wiegand (Hauptstadtreisen.com)
Ingo Gersbeck (Reederverband d. Berliner Personenschiffahrt)
Julia Kuntz-Stietzel (Marktflagge GmbH)

Neu im Vorstand sind neben mir:
Tobias Junghans (Top Tour Sightseeing)
Karsten Maruhn (Domäne Dahlem)
und unser Gastgeber Georg Strecker.

Nicht nur INTOURA hatte ein gutes Jahr, sondern unsere Branche kann zufrieden auf 2019 zurückblicken: Die Besucherzahlen der Berliner Attraktionen, Theater und Museen sind auch im letzten Jahr weiter gestiegen, mehr Touristen waren in Berlin unterwegs – immerhin sind wir jetzt Platz 2 der Städte mit den meisten Übernachtungen der Europäischen Union –  wenn auch erst seit dem 1. Februar.
Das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls hat wieder einmal die weltweiten Blicke auf Berlin gelenkt und unseren Ruf als Stadt der Zeitgeschichte untermauert.
Und tatsächlich glauben immer mehr Menschen, dass Herr Lütke-Daldrup die Absicht hat, einen Flughafen zu eröffnen.

Wie Hendrik bereits in der Einladung aufgeworfen hat, bringt das neue Jahrzehnt aber auch Veränderungen und Herausforderungen mit sich. Der Klimawandel wird den Tourismus in den nächsten Jahren besonders betreffen, die vergleichsweise niedrigen Löhne unserer Branche werden sich in Zeiten des Fachkräftemangels rächen und die Digitalisierung wird uns wie alle anderen vor ungeahnte Herausforderungen stellen.

Unsere Branche und auch unsere Mitglieder haben sich schon verändert. Mit dem Verkauf von Berliner Bären Stadtrundfahrt und Berolina konsolidieren sich die alteingesessenen Omnibusanbieter, mit der Reederei Riedel ist die konkrete Zukunft eines Traditionsunternehmens noch ungewiss. Auf der anderen Seite drängen moderne Anbieter in den Markt: Das Illuseum bringt Instagramability auf den Punkt, TimeRide zeigt Geschichte in virtueller Realität.

Doch während die Gästezahlen weltweit steigen und Marco d’Eramo das Zeitalter des Tourismus ausruft, verliert dieser rasant an Image. Tourismusbashing ist international in, kaum ein Artikel über Reisen erscheint mehr, der nicht die vermeintlichen oder tatsächlichen negativen Seiten hervorhebt.
Begonnen hat es vor einigen Jahren mit dem Phänomen Overtourism, heute hat unsere Branche zusätzlich ein Nachhaltigkeitsproblem: Reisen verursacht zweifellos mehr CO2 als Zuhause zu bleiben.
Im Gleichklang mit diesen weltweiten Trends, wird auch in Berlin Tourismus oft schnell als Problem dargestellt und schlecht geredet. Touristen verstopften die Stadt, seien laut und machten Müll.

Die Sprecherin für Tourismus der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus hat letztes Jahr deshalb gefordert, visitBerlin die Mittel zu streichen, weil die Touristen doch sowieso von alleine kämen. Sie und andere verkennen völlig die Bedeutung unserer Branche für die Wertschöpfung der Stadt. Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor und das mit kaum Förderung – verglichen mit anderen Branchen wie der Industrie. Im Gegenteil: Keine andere Branche wird zusätzlich geschröpft, in dem die Besucher völlig ohne Gegenleistung eine Übernachtungssteuer bezahlen müssen. Saniert wird damit der Haushalt, nur ein winziger Teil landet in der Steuerung und Förderung des Tourismus.

Tourismus ist eine Cash Cow für die Stadt, aber auch die Kuh muss am Leben erhalten werden. Burkhard Kieker warnte in seiner Neujahrsansprache: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Marke Berlin zernörgelt wird“.
Wie recht er hat und wie leicht das geht, sieht man gerade in Venedig. Natürlich gibt es in Venedig enorm viele Touristen auf kleiner Fläche, aber das ist nun mal auch der einzige Wirtschaftszweig dort. Die Venezianer stören sich an den Touristenmassen, sie führen dieses Jahr als Regulierungsmaßnahme eine Eintrittsgebühr ein: Nicht nur mehr der Übernachtungsgast, sondern auch der Tagesbesucher soll bezahlen. Doch nun nach dem verheerenden Hochwasser im letzten Jahr droht der berühmte Karneval ein Flop zu werden, die Besucher bleiben aus, weil die Medien fälschlicherweise vermeldet haben, die Stadt sei verwüstet. Der venezianische Bürgermeister wirbt plötzlich verzweifelt um Touristen, denn man lebt ja gar nicht schlecht von ihrem Geld. So schmal ist der Grat zwischen vermeintlichem Overtourism und zu wenig Touristen: Bleiben die Touristen aus, stirbt die Stadt.

In Berlin sind wir weit von venezianischen Zuständen entfernt, das Verhältnis zwischen Touristen und Berlinern ist mehr als gesund: 14 Mio Besucher bei bald 4 Mio Einwohnern, das ist nicht vergleichbar mit den Problemen von Dubrovnik oder Amsterdam. Bei internationalen Gästen ist Berlin sogar nur auf Platz 10 in Europa, weit von der Spitze entfernt hinter Prag, Mailand oder Wien.

Um zu große Konzentration von inländischen Touristen zu vermeiden, gibt es in Deutschland das sinnvolle Mittel des weiten Ferienkorridors bei den Sommerferien. Der streckt die Sommersaison, damit nicht alle inländischen Touristen auf einmal in die Stadt kommen. Dieses probate Mittel will unsere Bildungssenatorin gerade abschaffen. Sie hat eine Initiative bei der Kultusministerkonferenz angestoßen, mit dem Ziel, den Ferienkorridor deutlich zu verkleinern.

Blickt man zu unseren Nachbarn, nach Frankreich sind in den landesweit einheitlichen Sommerferien die Preise viermal so hoch wie außerhalb und die Autobahnen genauso überfüllt wie die Strände. Als eine meiner ersten Amtshandlungen habe ich bei der Senatorin Protest eingelegt und die Auswirkungen dieser Entscheidung dargelegt.

Wie visitBerlin durch Befragungen herausgefunden hat, trügt unsere Wahrnehmung der Tourismusdichte aber sowieso. Über 70% der Menschen an den Hotspots sind Berliner und keine Touristen. Selbst im Mauerpark und in Kreuzberg 36 sind es also nicht die Touristen, die für Lärm und Müll sorgen, sondern zum großen Teil wir Berliner selbst. In den Bahn-Toiletten wurde früher dazu aufgefordert, den Raum so zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Das wäre im Mauerpark keine gute Aufforderung an die Touristen.

Rund um die Messe wäre die Empfehlung wohl auch kaum angebracht. Wo die Touristiker zur weltgrößten Tourismusmesse ankommen, zeigt sich Berlin seit vielen Jahren von seiner schlechtesten Seite. Auf Grund der Sanierung der alten Hallen können die Gäste des Berlin-Standes dieses Jahr aber immerhin den Eingang Süd nehmen. So müssen sie sich nicht zwischen stinkender Unterführung und vermodernden Rolltreppen am ICC entscheiden. Dafür präsentiert sich visitBerlin in Halle 27 nur noch halb so groß wie zuvor – dabei war der Auftritt Berlins auch bisher schon keineswegs der Monumentalste unter den Bundesländern.

visitBerlin bekommt wie andere DMOs auch neue Aufgaben. Von der Destination Marketing Organisation zur Destination Management Organisation. visitBerlin soll nun die Außenbezirke dabei beraten, attraktiver für Touristen zu werden, damit diese aus dem Zentrum heraus kommen und Neues entdecken. Das ist für Zweit- und Drittbesucher auch eine Idee, aber nicht für Erstbesucher und es darf nicht bedeuten, dass die zentralen Attraktionen nicht mehr international beworben werden, denn diese machen nun mal Berlin weltweit berühmt. Ganz nebenbei wird das Konzept aber sowieso dadurch konterkariert, dass am Schlossplatz das Humboldt-Forum eröffnet wird, das Alliierten-Museum in den S-Bahn-Ring umziehen soll und am Checkpoint Charlie ein staatliches neues Museum beschlossen ist.

Die Entwicklungen des letzten Jahres zeigen, dass der Tourismus nicht nur in Berlin an seinem Image arbeiten muss: Wir müssen deutlich machen, dass Tourismus Gutes schafft. Ich zitiere dazu die Leitlinien der neuen nationalen Tourismusstrategie der Bundesregierung:

„Tourismus ist ein Instrument des kulturellen Austauschs, der Völkerverständigung und damit letztlich auch der Friedenssicherung. Reisen bildet, überwindet Grenzen und führt Menschen zusammen. Es weitet den Horizont, lehrt Respekt, Toleranz und Vielfalt und beugt Abschottung und Ausgrenzung vor. Die gesamtgesellschaftliche Bedeutung eines verantwortungsbewussten Tourismus ist daher viel höher zu bemessen, als es ökonomische Indikatoren und Kennzahlen beschreiben.“

Das klingt hochmoralisch, aber ist völlig richtig. Niemand, der als Jugendlicher mit Interrail quer durch Europa gefahren ist, zweifelt am Sinn der europäischen Einigung, niemand, der staunend Meisterwerke anderer Kulturen bewundert, kann guten Gewissens rassistische Parteien wählen. Und wer fremde Metropolen besucht, lernt auch, dass manche Dinge in Berlin im Vergleich gar nicht so schlecht funktionieren …

Und zusätzlich gibt es die ökonomischen Indikatoren, die viel zu leicht vergessen werden: Tourismus finanziert unseren Lebensstil, unsere Infrastruktur und den Senat, fast 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet der Tourismus. Hunderttausende Berliner leben von ihm, er erhält, was wir Bürger dieser Stadt an ihr so schätzen: Theater, Opernhäuser, Museen, Familien-Attraktionen, aber genauso Sterne-Restaurants, Spätis, Kneipen und Techno-Clubs.

Techno-Clubs bzw. das Club-Sterben waren das heiße Thema im Januar, ausgelöst durch das Mietende bei der Griessmühle. Die Mieten im Zentrum sind teuer, neue Nachbarn stört der Lärm. Die Clubs wollen auch erstaunlicherweise nicht im Sinne des Tourismuskonzepts nur noch in Außenbezirken Party machen. Die erwähnte linke Abgeordnete möchte deshalb die 14 Millionen, die sie visitBerlin wegnehmen will, zur Förderung der Clubs ausgeben. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Clubs sind ein wichtiger Player im Tourismus und die Trennung zwischen Ernst- und Unterhaltungskultur ist längst überholt. Aber der Ruf nach dem Staat ist in Berlin im Trend und der Staat greift momentan an zahlreichen Stellen in den Wettbewerb unserer Branche ein:

Landesmuseen und die Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verschenken ab April einmal im Monat ihre Leistung, das Futurium ist bereits kostenlos, das Humboldt-Forum, das Jüdische Museum und das Deutsche Historische Museum sollen es werden. Dabei zeigen Studien, dass der Wegfall des Eintritts keineswegs bildungsferne Schichten ins Museum bringt, sondern die gleichen Besucher kommen wie zuvor. Das sind im Zentrum, wo sich praktisch alle genannten Häuser befinden, ganz überwiegend Touristen. Der Staat subventioniert also die Touristen, die er vorher mit der City Tax belastet hat. Das ist zwar konsequent, aber geschieht auf Kosten der privaten Anbieter, denn die Zeit der Touristen ist beschränkt, sie sind nun mal nur gute zwei Tage hier. Wir alle werden diesen Eingriff im Wettbewerb um die freie Zeit der Gäste merken, wenn er kommt.

Der Kultursenator selbst hat angekündigt, das bisher für alle öffentlichen und privaten Kultureinrichtungen gedachte Kulturmonitoring einzustellen, und dafür zukünftig verpflichtend an staatlichen Häusern Besucher zu befragen. Privat finanzierte Kulturstätten spielen für ihn da keine Rolle, nur geförderte Einrichtungen sind kulturell wertvoll.

Die Top-Attraktionen auf visitberlin.de werden mittlerweile nicht mehr nach Besucherzahlen ausgewählt, sondern nach anderen redaktionellen Kriterien. Und zufälligerweise sind in der Liste jetzt alle staatlich gefördert, einziges redaktionelles Qualitätskriterium ist also die Herkunft der finanziellen Mittel. Privat finanzierte Top-Attraktionen sollen Anzeigen kaufen, um auf den Listen zu erscheinen.

Noch nicht mal diese Variante soll es auf dem neuen Wegeleitsystem geben. Seit Jahrzehnten fordern wir Unternehmer ein zukunftsfähiges touristisches Wegeleitsystem. Nun sind Pilotstelen installiert worden, über deren Zukunftsfähigkeit ich lieber gar nicht reden will … Aber die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz will dort nur staatliche Attraktionen darstellen und private Anbieter außen vorlassen, das haben wir unglücklicherweise schriftlich. Wir unterstützen natürlich ein touristisches Wegeleitsystem, aber wir können und werden eine gezielte Benachteiligung von privaten Anbietern und eine Doppelsubvention für unsere staatlich finanzierten Kollegen nicht akzeptieren. Nachdem die Gesprächsversuche des letzten Vorstands genauso wie vorgerichtliche Schritte gescheitert sind, haben uns die Mitglieder von INTOURA aufgefordert, Klage wegen dieses Wettbewerbsverstoßes gegen das Land Berlin einzureichen. Die Klage haben wir als erste Amtshandlung erhoben und das Gericht aufgefordert, die Pilotstelen in dieser Form wieder abbauen zu lassen.

Klagen dürfen nur die ultima ratio sein: Viel lieber möchte ich die Herausforderungen im Dialog lösen – und es gibt sie ja auch, die positiven Entwicklungen:

Ich bin sehr glücklich, dass die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe die Branchenzahlen zukünftig in einem Tourismus-Satelliten-Konto sehr viel detaillierter ermitteln will. Damit wird sehr viel augenfälliger werden, wie wichtig der Beitrag unserer Branche für die Wertschöpfung des Landes Berlin ist.

Und bei der Umsetzung der im Tourismuskonzept 2018+ dargelegten Maßnahmen setzen die Wirtschaftsverwaltung und visitBerlin auf die Expertise und den Dialog mit anderen Akteuren genauso wie mit uns.

Als ich das Tourismuskonzept zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich große Sorge, dass der dort geforderte Qualitätstourismus gleichbedeutend ist mit Messe- und Kongresstourismus, weil dieser durch höhere Raten viel Geld in die Hotelkassen spült.

Wir als Attraktionen, Kultur- und Sightseeing-Anbieter wollen aber Qualität nicht am Geldbeutel der Gäste festmachen, sondern für uns sind auch Familien, Schulklassen oder Rentner Qualitätstouristen. Deshalb freue ich mich sehr, dass visitBerlin just letzte Woche eingeladen hat, um die Definition von Qualitätstouristen zu diskutieren und zu versuchen, gemeinsame Kriterien festzulegen.

Wir stehen zur Verfügung, im Dialog mit allen relevanten Stellen den Tourismus in dieser Stadt im Sinne aller Akteure zu gestalten. Wir wissen, dass es für eine nachhaltige Entwicklung der Branche unser oberstes Ziel sein muss, die Akzeptanz der Bevölkerung für den Tourismus aufrechtzuerhalten und auszubauen.

Wir sind offen für Maßnahmen und für jede Diskussion und wir wissen auch, dass auch wir als Branche uns verändern werden müssen. Wir müssen Lösungen finden, wie der ökologische Fußabdruck des Tourismus kleiner wird. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir attraktivere Arbeitsverhältnisse mit besseren Löhnen schaffen. INTOURA wird daran arbeiten.

Wir werden aber auch einfordern, dass wir mitreden dürfen und die Meinung der Attraktionen mit ihren 45 Millionen Besuchern pro Jahr gehört wird. Wir wollen, dass Gremien zum Tourismus mit allen Betroffenen besetzt werden. Das sind nicht nur staatliche Kulturanbieter, nicht nur Hotels, auch nicht nur Anwohner, sondern eben auch wir, die touristischen Attraktionen und Sightseeing-Anbieter dieser Stadt.

In diesem Sinne freue ich mich auf den gemeinsamen Austausch – heute Abend und in Zukunft! Vielen Dank!

Booking.com – Ein Erfahrungsbericht vom Click.2019 Event – Where travel connects 10. & 11.9. in Amsterdam

Eine Kolumne von Gordon von Godin
Vorstand INTOURA e.V. – Geschäftsführer DDR Museum


Liebe Mitglieder, liebe Branchenvertreter,

um mir einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten und Zukunftsvisionen von Booking.com zu verschaffen, habe ich im Namen des DDR Museums, am 10. und 11. September am Click.2019 Event teilgenommen. Diese Erfahrung möchte ich gerne mit Ihnen teilen und freue mich anschließend auf kontroverse, aber vor allem konstruktive Gespräche zu diesem Thema auf den nächsten INTOURA-Veranstaltungen.


Wer oder Was ist Booking?

Booking.com ist aufgrund seiner starken, weltweiten Hotel-Distribution neben dem US Unternehmen Hotels.com/Expedia bekannt als Hotelfinder. Verglichen mit anderen europäischen und deutschen Playern auf diesem Gebiet sind diese beiden wirkliche Giganten.

Hier präsentierte Booking in entspannter und zeitgleich hochprofessioneller Art und Weise die gesamte Bandbreite „seiner“ Customer Journey. Sie zeigten an 2 Tagen wie sich der Reisende mithilfe aller ihm zur Verfügung stehenden Produkte in der digitalen Welt heute bewegt und wohin die Reise gehen soll. Die Journey startet ja mit der Ideensuche des Reisenden, der Planung, Anreise, Aufenthalt, der Abreise bis hin zur Nachlese in Form von Bewertungen und weiteren Reiseempfehlungen als Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen dem Anbieter und dem Reisenden. All das wird Teil der Booking Welt sein. Der Fokus der Präsentationen lag vor allem auf der künftigen Verschränkung aller technischen Applikationen. Hindernisse wird es nicht mehr geben. Die vielen kleinen Helferlein im Alltag des Reisenden, meist eigene Produkte werden die Kollaboration der Applikationen und die Services rund um die Reise künftig weiter verbessern.

Was spielen Attraktionen hier für eine Rolle?

Bisher spielen Attraktionen eher am Rande eine Rolle. Wir sind das Add On, obwohl wir ja eigentlich als die touristischen Leistungsträger der Grund einer Reise sind. Transport und Übernachtung sind der Mittel zum Zweck. Attraktionen, landestypische Gastronomie und die einheimischen Menschen sind ja eher der Faktor Unterschied von Daheim. Künftig wird der Reisende noch stärker als heute über seine Rahmenprogramme in der jeweiligen Destination seiner Wahl hingewiesen, abgeholt und die Angebote online buchbar gemacht. Diese werden ihm künftig prominent bei der Destinationsauswahl angezeigt und im Buchungsprozess für Hotel und/oder Transport direkt mitgeliefert. Die Attraktionen werden also mit Partnern wie Booking sehr viel früher als bisher im Auswahlprozess des Buchers erscheinen. Die Reichweite von Ticketing, Markenbewusstmachung, Information was mich erwartet, wird für die eigene Attraktion erheblich vergrößert. Holten wir den Berlin-Besucher bisher im Taxi, im Bus, am Bahnhof oder Flughafen, in U- und S-Bahn oder im Hotel oder Hostel ab, so sind wir jetzt bei ihm daheim schon auf dem Display buchbar, wenn er denn Berlin als Destination auswählt.

Großartige neue Möglichkeiten – könnte man meinen.

Was spielen booking & Co. für eine Rolle?

Booking hat als eines der wenigen Unternehmen keinen Gerichtsstand in Deutschland. Dieser ist in Amsterdam, Niederlanden. Was im Hotelbusiness bereits gelebte Realität für Booking ist, werden sie auf die Welt der touristischen Anbieter ausweiten. Reisemittler werden sich mehr und mehr mit den Anbietern in den Destinationen verbinden wollen, die touristischen Anbieter werden darum kämpfen müssen, dass die Direktanbindungen mit diesen Partnern etabliert werden und auch funktionieren. Die touristischen Anbieter werden mehr und mehr erkennen ob und welchen Wettbewerbsvorteil es zu erlangen gilt. Booking bietet ihren Service immerhin weltweit und in 40 Sprachen der Erde an. Wie viele Sprachen bietet Ihre Website? Wie groß ist vor allem die Reichweite Ihrer Website, also wie viele Menschen erreicht Sie tatsächlich? Dieses Business beherrschen Booking & Co. ausgezeichnet. Sie klären auf, wie wichtig es dem Kunden ist, Ticketing über deren Portale zu ermöglichen, die weltweite Vermarktung der eigenen Marke zu nutzen und die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten zu erleben. Und: alles ohne digitale Hürden oder die sogenannten Medienbrüche. Ob der Berlin-Besucher das benötigt oder nicht, bleibt womöglich unbeantwortet, es wird einfach vorausgesetzt der Reisende nutzt das Angebot, so wie bei den E-Rollern.

Was kann die Digitalisierung im Reisebereich künftig leisten?

Und ja – so haben wir uns doch Reisen immer vorgestellt, oder? Einfach, schnell, interaktiv und proaktiv. Hat der Shuttle oder Zug Verspätung, soll die Airline das schon wissen, informiert werden und mögliche Ausfall- bzw. Ausweichszenarien erkennen. Alle reservierten Folgepunkte werden automatisch informiert. Rasch werden die Angebote erstellt und der Reisende informiert. Dieser muss sich um kaum noch etwas kümmern, muss nur noch entscheiden, umbuchen und bezahlen. Die elektronischen Tools übernehmen die weitere Planung der Reise.

Eine wunderbare neue digitale Welt.

Was haben wir vergessen zu beachten?

INTOURA hat häufig und eindringlich davor gewarnt, die digitale Distribution zu stark in den Vordergrund der Vermarktung zu stellen. Trotzdem entscheidet jeder selbst. So habe ich im Museum seit ca. 1 Jahr eine Partnerschaft mit Booking – bisher allerdings ohne direkte Anbindung. Der direkte Kontakt zu unseren Besuchern ist mir viel Wert in das eigene Marketing zu investieren. Kundenbindung und Loyalität sind sicher Punkte für eine separate Kolumne und sehr weitläufig und ein streitbares Thema. Es gibt für mich einige wenige Attraktionen, die wichtigere Aufgaben zu bewältigen haben. Website, Sprachen, Buchbarkeit, Kommunikation und die Qualität der Leistung selbst sind bei manchen wichtiger, als die überregionale Vermarktung. Auf Hotelsuchmaschinen die eigene Attraktion abzubilden, ist meines Erachtens nur ein kleiner Teil der Distribution und noch zu vernachlässigen. Die Verteilung sollte auf mehrere Partner verteilt sein, das ist nicht nur bei der Geldanlage eine gute Strategie.

Zudem habe ich bei diesen Anbietern keinerlei Zugriff auf die Daten!
Was, wenn morgen durch Rezession, Anschläge, Krieg oder Naturkatastrophen die Umsätze wegschmelzen und die Besucher ausbleiben? Es gibt dann womöglich keinerlei direkte Ansprache an den Besucher durch den Leistungsträger. Die Abtrennung der Gastdaten durch den Mittler der Leistung ist ein großes Thema und bisher wenig beachtet. Daher liegen meine Bestrebungen ganz klar darin, die Social Media Arbeit, die Öffentlichkeitsarbeit, die Arbeit an der Sammlung weiter zu verstärken. Wir arbeiten permanent am Aufbau unserer Community und den Verbindungen zwischen den einzelnen Berührungspunkten mit dem Museum. Das wir alle sozialen Medien und die technischen Möglichkeiten ausschöpfen, muss ich nicht betonen.
Mein Rat ist also: an Morgen denken und schauen, wie wir den Bezug zu unserer Community weiter ausbauen, Gastbindung herstellen und verstärken. Übrigens spielt die Qualität unserer Mitarbeiter dabei eine ebenso wichtige Rolle, wie die Motivation, für die wir alle in unserem Unternehmen täglich arbeiten. Das ist doch der Riesen-Vorteil den wir der digitalen Welt voraushaben. Hier in unseren Attraktionen arbeiten Menschen für Menschen und geben dem Berlin-Besucher das jeweils einmalige Gefühl in etwas Besonderem gewesen zu sein, eine einzigartige Erfahrung mit Unterhaltungswert und ein besonderes Erlebnis mitgenommen zu haben.

Wir werden bei INTOURA weiter diskutieren, damit uns das Morgen in der digitalen Welt keine Angst bereitet und wir die großartigen Chancen die sich uns bieten filtern, erkennen und nutzen.


Herzliche Grüße,
Ihr Gordon von Godin
INTOURA e.V,
www.intoura.berlin


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