Berlin, Germany rooftop view on Television Tower, Berlin Cathedral, Rotes Rathau and the River Spree - the major landmarks in retro, vintage style

Ein Tourismuskonzept, das stadtverträglich und nachhaltig ist!

PRESSEINFORMATION
Zwischenruf
Berlin braucht ein Tourismuskonzept, das stadtverträglich und nachhaltig ist. Und relevante Player aktiv und frühzeitig einbindet.
  • Senatsverwaltung stellt Grundlage für Tourismuskonzept vor.
  • Konkrete Maßnahmenvorschläge bleiben weiter unter Verschluss.
  • Branchenverband INTOURA: „Wir wurden zwar gehört, bleiben in der entscheidenden Phase aber außen vor.“

Berlin, 27. November 2017. Quo vadis, Berliner Tourismus? Diese Frage bleibt auch nach der Vorstellung der Studie „Konzept für einen stadtverträglichen und nachhaltigen Berlin-Tourismus 2018+“ am 17. November in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (SenWiEnBe) unbeantwortet. Die Studie bildet die Grundlage für die Erarbeitung eines Tourismuskonzepts, das voraussichtlich im Frühjahr 2018 als Senatsvorlage veröffentlicht wird – den für die Stadt wichtigen touristischen Akteuren wurden die konkreten Maßnahmen jedoch nicht zugänglich gemacht.

Dazu Hendrik Frobel, 1. Vorsitzender von INTOURA e.V., dem Interessensverband der touristischen Attraktionen Berlins: „Öffentlich ist die Rede davon, dass nur Partizipation zu einem stadtverträglicheren Tourismus führen kann. Wir haben die Senatsverantwortlichen zu jeder Zeit an unserem Erfahrungsschatz teilhaben lassen und schon früh Input sowie konstruktives Feedback gegeben. Jetzt, wo es in die heiße Phase für die Erarbeitung eines Tourismuskonzepts geht, werden wir außen vorgelassen.“

Eine gute Grundlage – nur leider unter Verschluss

Prof. Dr. Ilse Helbrecht von der Humboldt-Innovation GmbH und Dr. Mathias Feige von der dwif Consulting GmbH griffen in der Vorstellung ihrer Studie für einen stadtverträglichen und nachhaltigen Berlin-Tourismus aufschlussreiche Erkenntnisse, relevante Aspekte und brisante Fragen auf. So wurden unter anderem die Themenfelder „Steuerung von Touristenströmen“, „Partizipation“ und „Qualitätstourismus“ angesprochen. Die konkreten Maßnahmen, die davon als Empfehlung für den Senat abgeleitet werden, wurden jedoch weder vorgestellt noch auf Anfrage von INTOURA zugänglich gemacht. Der Branchenverband befürchtet, dass diejenigen, die sich tagtäglich im touristischen Umfeld bewegen, nicht in die Gestaltung des Tourismuskonzepts eingebunden werden: „Wir haben wirklich viele gute Ansätze in der Studie gesehen. Uns stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht“, so Frobel.

Den Tourismus in und um Berlin gestalten – das geht nur gemeinsam

Die Mitglieder von INTOURA, zu denen Museen, Kinos, Theater oder andere Spielstätten, Betreiber von Stadttouren sowie Touristenattraktionen wie das Sealife, Story of Berlin, der Berliner Fernsehturm oder die 2 von 3 Blue Man Group gehören, tragen mit jährlich über 40 Millionen Gästen zum Tourismus als stärkstem Wirtschaftszweig der Hauptstadt bei. Um den Tourismusstandort Berlin in einer zunehmend digitalisierten Welt zukunfts- und konkurrenzfähig zu halten, stehen für INTOURA folgende Themen ganz oben auf der Agenda für ein tragfähiges Tourismuskonzept:

  • INTOURA fordert einen Drei- bis Fünf-Jahresplan, in dem jeweils circa vier Millionen Euro als Anschubfinanzierung durch den Senat für Marktforschung eingeplant sind.
    INTOURA hält die nachhaltige Datenerhebung von Besucherströmen für unbedingt notwendig. Alle relevanten Akteure, beispielsweise Anbieter von Stadtführungen, Hotels, Shoppingangebote, Theater und Reedereien sowie viele mehr, müssen eingebunden werden. Bisher wird der Erfolg des Tourismus ausschließlich mit Übernachtungszahlen aus der Hotellerie bewertet. Dies ist unzureichend und schafft ein unvollständiges Bild. Der Senat schlägt darüber hinaus ein Monitoring-Konzept vor, das nur durch zusätzliches finanzielles Engagement einzelner Attraktionen realisiert werden kann. Dies würde erneut zu einem sehr selektiven Bild führen. Denn nicht jeder, besonders kleinere Betriebe oder beispielsweise selbstständige Stadtführer, kann es sich leisten, an diesen Erhebungen teilzunehmen.
  • INTOURA fordert eine Erweiterung des „Runden Tisch Tourismus“ sowie die (verstärkte) Verwendung der Mittel aus der City Tax für Projekte in den Bereichen „Digitalisierung“ und „Infrastruktur“.
    Zu den Forderungen zählen flächendeckendes und kostenloses WLAN, Schaffung eines einheitlichen Ticketsystems oder einer einheitlichen Buchungsplattform für die touristischen Leistungsträger, Schaffung von Schnittstellen in In-House Ticketsystemen, Schaffung eines einheitlichen und bezirksübergreifenden Wegeleitsystems, Ausbau der bezirklichen Info-Zentren als erster Anlaufpunkt für Touristen sowie Marktforschung. INTOURA hält die Entscheidungsprozesse hinter der City Tax- Vergabe für unzureichend und votiert für ein beratendes oder entscheidendes Gremium für die Realisierung von übergeordneten Projekten zwischen Kultur, Sport und Tourismus. Dies könnte auch über den „Runden Tisch Tourismus“ abgebildet werden – sofern dieser umstrukturiert wird, sodass auch hier dauerhaft und nachhaltig alle relevanten touristischen Player vertreten sind.
  • INTOURA fordert die Förderung der touristischen Akzeptanz in der Bevölkerung durch Aufklärungs- und Imagekampagnen sowie mehr Investitionen in Sauberkeit, Sicherheit und Infrastruktur.
    INTOURA hält die mögliche Lenkung oder Umverteilung der Touristenströme in andere Stadtteile für nicht zielführend. Touristen fahren ganz bewusst in bestimmte Bezirke wie Berlin Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg, um dort die entsprechenden Highlights zu entdecken. Dies wird sich von außen nicht verändern lassen. Jedoch kann das Bild der Berlin-Gäste bei den Bewohnern der Stadt durch 3 von 3 Aufklärungsarbeit und unter Zuhilfenahme von Image-Kampagnen für den Tourismus verbessert werden. Darüber hinaus appelliert INTOURA an den Senat, mehr Geld in Maßnahmen zu investieren, die die negativen Auswirkungen von hohen Gästezahlen abmildern: Reinigung und Pflege von oft frequentierten Orten, erhöhte Polizeipräsenz in touristischen Ballungsräumen und Ausbau der Infrastruktur durch Fahrradwege, Haltepunkte und Parkplätze rund um Besucher-Highlights.

Als weitere wichtige Themen für ein stadtverträgliches und nachhaltiges Tourismuskonzept betrachtet INTOURA die Themen „Grüner Tourismus“ sowie „Qualitätstourismus“. Der Branchenverband fordert unter anderem Subventionen zur ökologischen Umrüstung des öffentlichen Nahverkehrs und der privaten Stadtrundfahrtbus-Unternehmen sowie die Einführung eines Qualitätssiegels.

„Wir sind uns im Grunde einig, welche Themen wir diskutieren müssen. Ausgestalten können wir sie aber nur, wenn alle Player ihre Erfahrungen einbringen. Hier ist nicht nur die Politik gefragt, sondern auch die vielen Unternehmen, die die Touristen in Berlin tagtäglich bewirten, beherbergen und unterhalten“, erklärt Frobel den Zwischenruf von INTOURA. „Dazu brauchen wir aber eine konkrete Diskussionsgrundlage und die Möglichkeit der Teilhabe. Wir fordern den Senat also auf, uns auch weiterhin einzubinden!“

Wenn Sie einen dieser Aspekte näher beleuchten möchten, vermitteln wir Ihnen gerne ein Hintergrundgespräch bzw. Interview mit Hendrik Frobel, 1. Vorsitzender INTOURA e.V. und Geschäftsführer CHAMÄLEON Theater GmbH.


Über INTOURA

Seit 2011 bündelt INTOURA, der Interessensverband der touristischen Attraktionen Berlins e.V., die Anliegen der touristischen Leistungsträger Berlins unter einem Dach. Als Branchenverband arbeitet INTOURA gemeinsam mit den Akteuren aus Politik und Wirtschaft daran, den Tourismus in der Hauptstadt als wichtigsten Wirtschaftszweig weiter zu stärken. INTOURA gestaltet die Zukunft des Tourismus in Berlin aktiv mit, indem positive Entwicklungen vorangetrieben und das Wachstum der Branche gefördert werden. Rund 60 Betreiber oder Anbieter von touristischen Attraktionen sind Mitglieder von INTOURA. Darunter finden sich unter anderem Museen, Kinos, Theater oder andere Spielstätten, Betreiber von Stadttouren sowie Touristenattraktionen wie Madame Tussauds, der Hi-Flyer, House of Tales oder der Wintergarten. Gemeinsam begrüßen sie pro Jahr mehr als 40 Millionen Gäste aus der ganzen Welt. www.intoura.berlin

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