Große Herausforderungen im Jahr 2018

Ein zentrales Thema in diesem Jahr ist und wird weiterhin das neue Tourismuskonzept 2018+ sein. INTOURA-Mitglied Daniel Wiegand blickt in der Januar-Kolumne zurück auf die letzten Ziele und zieht ein resümee…


Berlin war und ist hinsichtlich seiner jährlichen Besucherzahlen eine Erfolgsstory. Die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, ihrer bewegten Geschichte, ihren Attraktionen, dem Kulturangebot und seinen Menschen lockte letztes Jahr über 12 Millionen Besucher hierher. Vor diesem Hintergrund hat der Berliner Senat sein neues Tourismuskonzept 2018+ vorgestellt.

Die Frage, die sich mir mit der Vorstellung des neuen Tourismuskonzepts im November aufdrängt, ist, ob sich der zukünftige Tourismus einer Weltmetropole wie Berlin überhaupt wie gewünscht steuern lässt und ob der Berliner Senat mit seiner Verwaltung dazu überhaupt in der Lage ist?

Um sich einer Antwort auf diese Frage zu nähern, habe ich mir das letzte Tourismuskonzept aus dem Jahre 2010 nochmal angeschaut. Bei vielen richtigen Maßnahmen in den relevanten Handlungsfeldern zeigt sich, dass Entwicklungen innerhalb und außerhalb Berlins die Zielsetzungen konterkarierten oder die Senatsverwaltung Maßnahmen nicht umsetzen konnte, wie folgende Beispiele zeigen:

  • So haben die Probleme am BER die Zielsetzung, internationale Flugverbindungen anzusiedeln und damit die Stellung Berlins als internationale Tagungs- und Kongressmetropole auszubauen, verhindert. Fehlende Kongresskapazitäten durch die Schließung des ICCs tun ihr Übriges. Im August erst warnte Burkhard Kieker von visitBerlin davor, dass diese fehlenden Kapazitäten das Wachstum in diesem wichtigem Segment begrenzen.
  • Die Steuerung der Reisebusse an touristischen Brennpunkten ist bis heute nicht erfolgt, vielversprechende Pilotprojekte zum Beispiel an der Museumsinsel gar nicht erst umgesetzt. An Ideen und Vorschlägen aus der Tourismusbranche fehlt es – Dank betroffener Mitglieder von INTOURA und anderen – nicht.
  • Das Ziel eines besucherorientierten Wegeleitsystems ist in den letzten Jahren nicht nennenswert weiterentwickelt worden. In Sachen Digitalisierung hängt die Stadt der Entwicklung hinterher. So gibt es keinen ganzheitlichen Veranstaltungskalender und kein zentrales Online-Reservierungssystem. Bedenke ich das Potential, dass Berlin durch seine Startup-Szenen vorhält, ist es mir umso unverständlicher, warum auf diesem Gebiet so wenige Fortschritte gemacht werden.

Diese wenigen Beispiele zeigen die Komplexität des Vorhabens und die Notwendigkeit von funktionierenden und zielorientierten Verwaltungsstrukturen auf. Dass es insbesondere um Letztere nicht immer zum Besten steht, müssen wir Berliner immer und immer wieder der Presse entnehmen.

Daher den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass sich alles von selbst bessert, ist nicht mein Anspruch. Wir arbeiten jeden Tag, jede Woche und jeden Monat daran, unseren Kunden die besten Attraktionen anzubieten, unseren Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz zu sichern und die Destination Berlin noch interessanter zu machen. 

An dieser Stelle möchte ich auf ein weiteres Ziel aus 2010 verweisen: den Ausbau der Kooperation und Vernetzung innerhalb der Stadt. Eine Öffnung des Runden Tisches Tourismus halte ich für längst überfällig und die Entwicklung eines Unternehmensnetzwerkes Tourismus muss das Ziel sein. Nur wenn alle touristischen Akteure ihr Wissen und ihre Erfahrung aus der täglichen Arbeit mit unseren Gästen aus Deutschland und der ganzen Welt einbringen und gemeinschaftlich die Zukunft Berlins gestalten, können die notwendigen Maßnahmen eines Tourismuskonzepts verwirklicht werden. Das Know-How ist da, der Senat muss es nur abrufen.

visitBerlin macht einen tollen Job bei der Vermarktung Berlins in der Welt, aber die notwendigen Maßnahmen innerhalb der Stadt zur Steuerung der touristischen Ströme mit all ihren Begleiterscheinungen, können – wie die Vergangenheit gezeigt hat – ohne die Einbindung der Akteure vor Ort nicht umgesetzt werden. Die Privatwirtschaft sollte auch nicht warten bis sich diese Sicht auch innerhalb des Berliner Senats durchsetzt, sondern gemeinschaftlich Konzepte erarbeiten, die meines Erachtens ganz oft nur dem gesunden Menschenverstand Rechnung tragen müssen. Über die Finanzierung braucht man sich angesichts der Steuereinnahmen in Höhe von 45 Millionen Euro aus der City Tax auch keine Gedanken machen, denn Geld ist offensichtlich genügend da.

Also lasst uns das machen, was wir tagtäglich machen: den Tourismus in Berlin gestalten! Damit wünsche ich uns allen ein gestalterisches und erfolgreiches Jahr 2018!


Das aktuelle Tourismuskonzept 2011+

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Über den Autor

Daniel Wiegand ist Geschäftsführer bei Hauptstadtreisen, Mitglied im INTOURA e.V. sowie im Tourismusausschusses der Industrie und Handelskammer Berlin.

 

 

 

 

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